Mehrsprachigkeit, Zugänge zum Journalismus und ein gemeinsamer Blick auf die Stadt: Beim Treffen des ZWISCHENWELTEN-Journalistennetzwerks diskutierten Medienschaffende, wie unterschiedliche Erfahrungen die Berichterstattung bereichern können. In Interviews erklären fünf Teilnehmende, warum ihnen dieser Austausch wichtig ist.
Wer erzählt die Geschichten Berlins – und welche Perspektiven fehlen dabei? Diese Fragen beschäftigen das interkulturelle Journalistennetzwerk von ZWISCHENWELTEN. Es verbindet rund 20 Medienschaffende mit unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und religiösen Hintergründen. Im Mittelpunkt stehen selbst gewählte Themen, journalistische Standards und die gemeinsame Arbeit an einer vielfältigen Berliner Öffentlichkeit. ZWISCHENWELTEN
Die Interviews nach dem Netzwerktreffen zeigen, welche Erwartungen und Erfahrungen die Beteiligten mitbringen. Dabei geht es um strukturelle Hürden im Journalismus ebenso wie um konkrete Veränderungen in der lokalen Berichterstattung.
Prof. Dr. Sabine Schiffer, Leiterin des Instituts für Medienverantwortung, beschreibt das Treffen als konstruktiv und straff organisiert – trotz des Austauschs in mehreren Sprachen. Zugleich sieht sie das Netzwerk noch in einer Phase der gemeinsamen Orientierung. Ein vorgelegter Textentwurf könne nun als Grundlage für weitere Diskussionen dienen.
Schiffer verweist auf ungleiche Zugangsmöglichkeiten zum Journalismus. Gerade schlecht bezahlte Einstiegsphasen könnten dazu beitragen, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen in Redaktionen und auf Entscheidungsebenen unterrepräsentiert bleiben. Projekte wie ZWISCHENWELTEN könnten bislang wenig wahrgenommenes journalistisches Potenzial sichtbar machen: Menschen aus verschiedenen Communities erhalten Raum, ihre Perspektiven einzubringen – auch in anderen Sprachen und mit anschließender Übersetzung.
Beim Brunnenmagazin sind bereits Veränderungen spürbar. Dominique Hensel, redaktionelle Leiterin der Bürgerredaktion, berichtet von neuen Schreibenden, die andere kulturelle Hintergründe und Lebenserfahrungen mitbringen. Auch der persönliche Austausch entwickle sich weiter. Aus zunächst lose zusammengekommenen Teilnehmenden werde durch wiederholte Begegnungen zunehmend eine vertraute Gruppe.
Für den Journalisten, Schriftsteller und Kabarettisten Hayko Bağdat eröffnet das Netzwerk die Möglichkeit, sich stärker mit seinem Berliner Umfeld auseinanderzusetzen. Er beschreibt, wie die mitgebrachten Probleme und Erfahrungen nach einer Migration viel Raum einnehmen können. Umso wichtiger sei es für ihn, die politischen, sozialen und kulturellen Fragen seines Wohnortes besser zu verstehen und Menschen kennenzulernen, die sich vor Ort engagieren. Sorgen zu teilen und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, habe den Abend für ihn produktiv gemacht.
Der Journalist und Videograf Arif Aslan hebt den Austausch zwischen nach Deutschland gekommenen und deutschen Journalist:innen hervor. Aus seiner Sicht können mediale Falschinformationen gesellschaftliche Feindseligkeit verstärken. Umso wichtiger seien Gespräche darüber, wie Medienschaffende dieser Entwicklung gemeinsam begegnen können.
Kulturjournalist Gökhan Bozkuş von Cizlavit.org betont die Verantwortung der Medien in einer zunehmend mehrsprachigen Gesellschaft. Unterschiedliche Vorstellungen über Migration müssten durch fundierte Berichterstattung hinterfragt und geklärt werden. Aus dem Treffen habe er zahlreiche wertvolle Anregungen mitgenommen.
Die Stimmen machen deutlich: Das Netzwerk schafft Raum für beruflichen Austausch, gegenseitiges Kennenlernen und neue Zusammenarbeit. Unterschiedliche Erfahrungen sollen dabei in Themen, Beiträge und journalistische Entscheidungen einfließen.
Damit knüpft das Treffen an den Ansatz von ZWISCHENWELTEN an: Menschen mit bislang wenig vertretenen Perspektiven sollen die Berliner Medienöffentlichkeit aktiv mitgestalten. Das Projekt verbindet Journalismus, Zivilgesellschaft und kulturelle Bildung.